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16.06.2012 17:33

ZurückPrüfmittel in fremde Hände?

"Prüfmittel in fremde Hände?": Interview zum Thema. Statements und Ansichten von Elisabeth Steiner zum Thema Prüfmittelüberwachungs-Service.

Steinbeis-Nachrichten SZQ
  

Die "Muss-Bestimmungen" der DIN EN 9000ff. fordern: Der Lieferant muss im Hinblick auf den Nachweis, dass Produkte die festgelegte Qualitätsforderung erfüllen, die Prüfmittel überwachen, kalibrieren und instandhalten ...

Für viele Betriebe bedeutet die Erfüllung dieser Norm- oder Kundenvorschrift - soll dies durch eigenes Personal und Gerät geschehen - ein unverhältnismäßig großer Investitions- und Kostenaufwand.

Aus diesem Dilemma, den Qualitätsforderungen gerecht zu werden und die Kosten nicht überproportional steigen zu lassen, helfen seit kurzem Dienstleistungsbetriebe, die sich auf die Prüfmittelüberwachung spezialisiert haben.

Somit sind Make-or-buy-Überlegungen gerade auch hinsichtlich der Prüfmittelüberwachung sehr aktuell. Dabei treten jedoch wichtige Fachfragen und Informationsbedarf bezüglich der Auftragsabwicklung auf. Deshalb sind fundierte Insider-Antworten sowie aus der täglichen Praxis gewonnene Argumente eine gute Basis für die optimale Management-Entscheidung.

"Auf den persönlichen Kundenkontakt kommt es an"

Statements und Ansichten von Elisabeth Steiner zum Thema Prüfmittelüberwachungs-Service

Gibt es Merkmale, an denen gute Dienstleister erkennbar sind?

Elisabeth Steiner: Sollen Prüfmittel durch externen Service überwacht werden, ist die zwingende Voraussetzung, dass dem Dienstleister uneingeschränktes Vertrauen entgegengebracht werden kann. Deshalb halte ich ein persönliches Gespräch des Kunden mit dem von ihm ausgewählten Dienstleister für außerordentlich wichtig. Schnell lässt sich bei diesem Treffen die Wahrscheinlichkeit ableiten, ob die geplante Geschäftsbeziehung harmonisch ablaufen wird.
Das Leistungsangebot , das solch einem Gespräch gewöhnlich vorausgeht, gibt ebenfalls bereits deutliche Hinweise auf Seriosität und Know-how des potentiellen Lieferanten.
So sollte ein aussagefähiges Angebot neben der reinen Aufzählung der Dienste stets auch die anfallenden Kosten ausweisen.
Ein weiteres Top-Merkmal ist die Lieferbereitschaft des Dienstleisters. Dazu gebe ich ein Beispiel: In vielen Firmen sind die Prüfmittel im ständigen Gebrauch, so dass sie kaum entbehrt werden können. Soll die teure und aufwendige "Prüfmittel-Zweitgarnitur" vermieden werden, sind in einem solchen Fall in erster Linie nur die Prüffirmen geeignet, die sich auf diese Kundensituation eingestellt und auf eine zügige Geschäftsabwicklung spezialisiert haben. In der Praxis kann das heißen, die Prüfmittel nach Feierabend beim Kunden abzuholen, im Prüflabor über Nacht zu temperieren, am nächsten Morgen zu messen und anschließend sofort wieder auszuliefern!
Desweiteren besitzen gute Dienstleister eine mit ihrem Serviceangebot tatsächlich vollständig übereinstimmende technische Prüfausrüstung, über deren Qualifikation es natürlich keinerlei Zweifel geben darf.
Last but not least geben die angebotene Kommentierung und Dokumentation der Prüfergebnisse Aufschlüsse über die Praxisorientiertheit und das Know-how des Dienstleisters.
 
Wie vollzieht sich die Zusammenarbeit mit dem Kunden, es werden ja doch auch vertrauliche Themen behandelt?
 
Elisabeth Steiner: Da schneiden Sie ein sehr wichtiges Thema an. In der Tat sind für eine funktionierende Prüfmittelüberwachung detaillierte, oft vertrauliche Informationen notwendig. Auch hier ein Beispiel: Wir stellen bei der normkonformen Überwachung eines Messmittels fest, dass dieses von Sollwert abweicht und zwar, sagen wir mal, in der vierten Stelle nach dem Komma, also für uns unzweifelhaft nicht in Ordnung ist. Wissen wir nun, dass der Kunde weitere Einsatzgebiete, die eine größere, vielleicht im Hundertstelbereich liegende Messtoleranz zulassen, in seinem Betrieb besitzt, können wir sofort entscheiden, ob das getestete Prüfgerät dort noch verwendet werden darf.
Liegen Werksnormen vor, sind diese selbstverständlich für die Beurteilung und Ergebniskommentierung eine wertvolle Hilfe. Übrigens sind wir gerne bereit, beim Aufbau der Prüfmittelüberwachung oder dem Erstellen firmenspezifischer Normen beratend mitzuwirken.
Sie sehen, bei der Prüfmittelüberwachung geht es schon ans "Eingemachte"! Der Kunde muss sich deshalb ohne jede Einschränkung, fachlich wie moralisch, auf seinen Lieferanten verlassen können.

Wie sind Sie dazugekommen, das Thema Prüfmittelüberwachung zur Geschäftsgrundlage zu machen?

Elisabeth Steiner: Nachdem im Rahmen der anstehenden ISO-Zertifizierung des Betriebs meines Mannes - der Steiner Präzisionsdrehteile, Manfred Steiner, das Thema Prüfmittelüberwachung zur Diskussion stand , habe ich festgestellt, dass es in unserer Region keinen Dienstleister gibt, der bezüglich kurzer Bearbeitungszeiten, etwa auch einem Eilservice, der übrigen Angebotspalette und dem generellen Preis/Leistungsverhältnis den Kundenvorstellungen wenigstens annähernd entspricht.
Diese Feststellung wurde mir von vielen Gesprächspartnern bestätigt, und so reifte der Entschluss, auf diesem zukunftsträchtigen Gebiet unternehmerisch tätig zu werden.
Mittlerweile verfügen wir über eine qualifizierte Mannschaft, das notwendige Know-how und leistungsfähige Geräte, um eine qualifizierte, kundenorientierte und äußerst wirtschaftliche Prüfmittelüberwachung durchführen zu können.

Was ist besonders zu beachten, wenn man die Prüfmittel in "fremde Hände" geben will?

Elisabeth Steiner: Neben der erwähnten Vertrauenswürdigkeit des Dienstleisters ist natürlich die Umsetzung des angebotenen Leistungsspektrums von Bedeutung, hier scheiden sich die Geister!

Wenn z.B. in einem Angebot steht:

  • "kostengünstig"; heißt das, der Lieferant bemüht sich gemeinsam mit dem Kunden um die kostengünstigste Lösung der Überwachungsaufgabe? Ich hatte vor kurzem einen Fall, bei dem der Kunde nur über sehr begrenzte Mittel verfügte. Nach Einholen von Detailinformation vor Ort konnten wir helfen, indem wir ein Rabattsystem vorschlugen, die Signierung sehr kostengünstig übernahmen sowie Verpackungs- und Versandkosten aufgrund Ab- und Antransport der Prüfgüter durch unseren Fahrdienst minimierten.
  • "moderne Prüfeinrichtungen"; heißt das, der Lieferant ist messtechnisch optimal für die Kundenaufgabe ausgerüstet? Dazu muss er diese auf jeden Fall erst einmal kennen! Wir haben uns auf mechanische Messmittel spezialisiert und lehnen deshalb anders gerichtete Anfragen von vornherein ab.

    Die Konzentration auf diesem sehr bedeutenden Messsektor bietet dem Kunden große Vorteile. So sind wir zum Beispiel in der Lage, die mechanischen Prüfmittel "kommentierbar zu checken".

    Was verstehen wir unter diesem Begriff? Nehmen wir die Grenzlehrdorne, die sich durchaus normgerecht mit einer Gegenlehre überprüfen lassen. Als Ergebnis erhalte ich eine Ja-Nein-Aussage, also entweder ist das Messmittel noch gut oder schon schlecht. Messabweichungen können hier nicht quanitifiziert werden. Freilich sind solche Serviceleistungen zwar billig, oftmals aber nicht kostengünstig, und in keinem Fall kann hier von "modernen Prüfeinrichtungen" die Rede sein!
  • "Allround-Service"; heißt das, der Lieferant bietet über die reine Mess-Dienstleistung hinaus auch einen Eilservice, die normspezifische Protokollierung und fachgerechte Kommentierung der Messergebnisse sowie eine auf die individuellen Kundenanforderungen angepasste Abarbeitung der Prüfmittelüberwachung?

    Und umfasst der "Allround-Service" auch die eigene Dokumentation?

    Nicht zuletzt, um dem Kunden noch mehr Sicherheit bezüglich der Rückverfolgbarkeit von Geschäftsvorgängen zu gewähren, haben wir uns zertifizieren lassen und sind jederzeit bereit, unseren Geschäftspartnern Einblick in unser Prüflabor und in unsere Arbeitsweise zu gewähren!

Frau Steiner, Sie haben den Lesern eine Fülle wichtiger Informationen sowie Anregungen gegeben und aufgezeigt, dass Prüfmittel durchaus auch in fremde Hände, so es denn die richtigen sind, gegeben werden können.

Hans-Georg Simanowski